Jeder Mensch sucht ein geistliches Zuhause. Es ist unmöglich, den Weg des Glaubens und der Liebe alleine zu gehen. Wir brauchen eine Familie, in der wir aufwachsen und zusammen mit Eltern, Brüdern und Schwestern das Leben teilen können, in der wir gute Wahlen treffen und die Liebe und den Glauben lernen können.
Wir brauchen auch eine grosse geistliche Familie und es ist im Leben ein Segen, einer solchen Familie zu begegnen, damit wir erfahren, dass eine kleine Familie immer auch Teil einer grossen Familie ist.
Das Oratorium in Oudtshoorn ist für mich ein Segen. Wir sind ein Zuhause, eine Gemeinschaft von Priestern. Wir beten zusammen, feiern jeden Tag Heilige Messe, nehmen zusammen Malzeiten ein und unterstützen einander, um dem Leben und der Zukunft der Kinder und Jugendlichen, der kleinen Familien, der Pfarreien und der kirchlichen Gemeinschaft zu dienen. Viele Kinder und Jugendliche, denen wir jeden Tag begegnen, haben nicht den Segen einer Familie Zuhause. Wir hoffen und glauben, ihnen etwas der Liebe Christi und die Schönheit unseres Glaubens anzubieten. Viele Gläubige und Nicht-Gläubige, denen wir begegnen, sind auf der Suche und zweifeln – in der Kirche und weit weg von der Kirche. Wir hoffen, dass unser Gebet, zusammen mit ihnen, und für sie, eine Hilfe sein kann. Viele Männer und Frauen erleben in der Familie schwierige Zeiten. Wir glauben, dass ein Gespräch, ein Wort Gottes und viel Geduld auf dem langen Weg fruchtbar sein werden. Viele Gläubige brauchen Ernährung, und wir hoffen und beten, dass wir etwas anbieten können, damit unsere Brüder und Schwestern im Glauben und in der Liebe wachsen.
Die geistliche Arbeit mit den Kindern und den Jugendlichen ist schwierig, denn für alle ist die Nachfolge Christi ein langer Weg mit viel Geduld. Und viel Erfolg gibt es nicht.
Die Arbeit vertieft sich, wenn wir auch mit der Schöpfung arbeiten: im Garten und mit den Tieren. Ich habe die Erfahrung, dass diese Arbeit viel zu tun hat mit Glauben und Kontemplation, denn der Garten ist ebenso Teil des Gebetslebens. Wir haben in den letzten zehn Jahren auch vieles bauen können. Auch diese Arbeit gehört zum Projekt. Es ist toll und es gibt viel Befriedigung: einen Plan auszuarbeiten und etwas für die Obdachlosen zu bauen oder ein Zuhause für die Jugendlichen einzurichten. Es ist schwere Arbeit, im Garten eine Rosenkranztreppe zu bauen und zu lernen wie man einen Hühnerstall baut. Ich kann es noch im Rücken fühlen.
Das Oratorium ist bekannt für seine musikalische Tradition. Unsere Gemeinschaft in Oudtshoorn ist nicht ganz so stark mit der Musik. Wir versuchen schon einige Jahre mit den Jugendlichen und Kindern zu singen, aber auch hier brauchen wir noch viel Geduld. Wir haben ein schönes Repertoire an Gesängen, aber wir brauchen gute Stimmen und Leute, die die Disziplin haben, jede Woche zu üben. Dennoch wird die Musik immer Teil der Gemeinschaft des Oratoriums sein.
Alle und alles sind Teil der Familie. Alle sind Kinder Gottes, und alles in der Schöpfung ist ein Zeichen der Liebe Gottes.
Von Pater Wim Sabo
Oudtshoorn, am 15. Februar 202






